Hauptsache »echt«


Eines der dümmsten »Buzzwords«, das seit einiger Zeit durch Medien und Kulturleben geistert, ist das von der »Authentizität«. Das sogenannte Authentische steht dabei für das Echte, Ursprüngliche, Unverfälschte, von keinem Kalkül Entstellte. Das Schreien eines Kindes mag als »authentisch« gelten, oder ein Klumpen Ton. Beides kann Rohmaterial sein, das ein gestalterischer Wille in etwas anderes verwandelt. Als ob es dadurch weniger »ehrlich« würde, wenn das Material geformt wird!
Wenn alles, was formuliert, gestaltet, arrangiert oder designt ist, per se als »unauthentisch« abgelehnt wird, dann fehlt den kulturellen Äußerungen alles, was gute und erfolgreiche, will heißen, zweckgerichtete und effektive Kommunikation kennzeichnet. Die Äußerungen werden dadurch bestenfalls ungenießbar oder schlimmstenfalls unverständlich. Denn der Hype ums »Authentische« verschmäht den differenzierten Ausdruck, die Vielfalt von Mitteilungsmöglichkeiten, die Botschaft, die in der Gestalt liegt.

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Über Lennek

Richard Lennek (* 1925 in Wattenscheid-Höntrop, † 1983 in Essen), Sternengucker, Hobbydichter und leidenschaftlicher Sammler von Kuriosa. Nach Notabitur und Astronomie-Studium zeitlebens an der Sternwarte Bochum angestellt.
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