Zimmer 137


PauliEine weitere Folge in der Reihe »Ironie des Lebens«: Diesmal geht es um den Österreicher Wolfgang Pauli (1900-1958), einem der bedeutendsten Vertreter der theoretischen Physik im vergangenen Jahrhundert. Er sagte zutreffend die Existenz von Neutrinos voraus. Für die Formulierung des nach ihm benannten Pauli-Prinzips, einem Grundprinzip der Quantenmechanik, wurde er 1945 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Diese von ihm entdeckte Gesetzmäßigkeit darf nicht verwechselt werden mit dem gleichfalls nach ihm benannten „Pauli-Effekt“: Paulis pure Anwesenheit bei einem Laborexperiment konnte nämlich alle physikalischen Versuche zum Scheitern bringen. Man sagte, es wäre unmöglich, daß Wolfgang Pauli und ein funktionierendes Gerät sich im selben Raum befänden.
Als rational denkender Wissenschaftler entwickelte Pauli dennoch einen merkwürdig stark ausgeprägten Hang zur Esoterik. Legendär wurde die enge Freundschaft zu Carl Gustav Jung, mit dem er über den „archetypischen Geist der Materie“ diskutierte. Wolfgang Paulis Denken kreiste zeitlebens wie besessen um eine bestimmte Zahl, die ihn bis in die Träume verfolgte, der sogenannten Feinstrukturkonstante, eine dimensionslose Zahl in der Größe von ca. 1/137. Sie bezieht sich auf das Zusammenspiel dreier Naturkonstanten, und zwar der elektrischen Ladung e, dem Wirkungsquantum h und der Lichtgeschwindigkeit c, verknüpft also Quantentheorie und Spezielle Relativitätstheorie, ohne daß aus diesem Wert tiefere Prinzipien abzuleiten wären; das Problem gilt in der theoretischen Physik nach wie vor als offen. Die ominöse Zahl verfolgte Wolfgang Pauli bis in den Tod. Als er 1958 mit starken Magenschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert wurde und die Zimmernummer sah, stöhnte er: „Es ist die 137! Hier komme ich nicht mehr lebend heraus!“ Und damit sollte er recht behalten.

Hier der Literaturtipp dazu.

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Über Lennek

Richard Lennek (* 1925 in Wattenscheid-Höntrop, † 1983 in Essen), Sternengucker, Hobbydichter und leidenschaftlicher Sammler von Kuriosa. Nach Notabitur und Astronomie-Studium zeitlebens an der Sternwarte Bochum angestellt.
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Eine Antwort zu Zimmer 137

  1. mblasius schreibt:

    Der Pauli-Effekt ist wohl der Alptraum eines jeden Wissenschaftlers.

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